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Vorliegend soll
einmal der beim Glauben bislang
wenig beleuchtete Zusammenhang mit dem Willen herausgearbeitet werden.
So könnte hier statt dem Glauben auch der Wille getitelt sein. Denn während
beim Glauben im Allgemeinen nur sehr wenig
differenziert wird, sieht das beim Willen doch ein wenig anders aus. Da
finden wir mehrere Stufen der Differenzierung wie etwa an dem einen
Ende die Willensstärke sowie am anderen Ende die Willenschwäche bis
hin zu einer vollständigen Willenlosigkeit. Eine nun beim Thema Glauben entsprechend
zu formulierende Glaubensschwäche oder Glaubenlosigkeit wirkt da auf
uns fast schon befremdlich, und manchmal auch sogar peinlich. Trotzdem kennen
wir die Glaubensstärke sowie den Unglauben. Wobei aber diese
Unterscheidungen fast ausschließlich dem religiösen Bereich
zugeordnet werden. Hier bildet der Glaube und nicht etwa der Wille den
Gegenstand, der da so gut wie nicht vorkommt. Der Wille im religiösen Bereich findet
sich fast nur
im Ritual und der im Katechismus festgeschriebenen Glaubenslehre. Auch
manifestiert er sich dort hauptsächlich zu strikter Beibehaltung von
Tradition und Konvention. Er dient dadurch einer bloßen Institutionalisierung
des Glaubens, und steht so einer für die individuelle
Wahrheitsfindung erforderlichen freien Willensbildung entgegen. Und just gilt hier
die gleiche Einschränkung für den Glauben, welcher in seiner Institutionalisierung den
Gläubigen in ihrem von Natur aus frei zu sein habenden Willen und Glauben hemmende
Fesseln anlegt. Doch ist es da wie sonst überall auch im Leben, wo
ein Nachteil ein Vorteil sein kann, und ein Vorteil wiederum ein
Nachteil. Würden sich also der institutionalisierte Wille und Glaube
mit der universalen Wahrheit und Wirklichkeit decken, so wäre das ganz
sicher ein Vorteil. Tut es das aber nicht, so ist es ebenso sicher
ein Nachteil. Was universale Wahrheit und Wirklichkeit ist, das muss
deswegen jeder für sich selbst bei sich selbst herausfinden, sofern ihm an
solcher Klarheit gelegen ist. Und dazu braucht er die völlige
Freiheit zu einer subjektiven Willens- und Glaubensbildung bei
unmittelbarer Einleuchtung von Wahrheit und Wirklichkeit, so sie denn
bei ihm stattfindet.
Gibt
es einen Willen zum Glauben, können wir uns interessiert fragen, und
geraten daraufhin wohl etwas ins Grübeln. Denn niemand will glauben,
nur um des Glaubens willen, weil es Freude machte an was zu glauben.
Immer ist es der Inhalt, der hier einem so wichtig erscheint, dass man
ohne sichere Information dann vor die Wahl gestellt ist, ihn zum
Glauben anzunehmen oder auch nicht. Bei wichtiger Sache gibt es im
Endeffekt kein Ausweichen, und wir müssen uns entscheiden. Die
Glaubensentscheidung wird so auch zu einer Willensangelegenheit. Wir
wollen immer dann glauben, wenn uns entweder die ausweglosen Umstände
dazu zwingen, oder aber uns der Glaube vom Verstand her als die zum
Unglauben bessere Alternative erscheint. Denn es könnte sein, dass
das Geglaubte eine verborgene Wirklichkeit besitzt, so dass dann beim
Offenbarwerden solcher Wirklichkeit sich damit für uns Nachteile
ergäben. Umgekehrt schadet es ja nichts an was geglaubt zu haben,
falls es sich einmal als nichtexistent unwirksam erweisen sollte. Ein
solcher Umgang mit dem Glauben ist unser Alltag. Wir müssen unentwegt
Informationen aufnehmen ohne sie auf ihren Gehalt an Wahrheit und
Wirklichkeit überprüfen zu können. Da bleibt einem wohl oder übel
nichts anderes übrig, als entweder das Aufgenommene zu glauben oder auch
nicht, wenn es denn hierzu kommt, dass wir die Information auch verwenden
wollen. In allen andern Fällen der Verwendungslosigkeit sind die
aufgenommenen Informationen belanglos, und wir brauchen bei ihnen
keinerlei Annahme oder Verwerfung realisieren. Im Regelfall glauben wir
fast alles was uns da als Information angeboten wird, weil uns das ja
bekanntlich zumeist weitaus weniger beansprucht, als eine
Überprüfung herausfordernde Ablehnung. Deshalb auch die allgemein überall
und jederzeit stattfindenden Betrügereien in großem Stil und mit
großem Erfolg. Kommissar Zufall ist hier der größte Verbündete
nicht nur bei den Ämtern und Behörden.
Auf
keinen Fall können wir über kurz oder lang den uns selbst
betreffenden existenzialen Fragen ausweichen. Solange wir darüber
keine Informationen haben, sind wir auch in keine Glaubens- und
Willensentscheidungen gestellt, und wir können ruhig weiterträumen
und -schlafen. Wer jedoch seinem Menschsein - vornehmlich als einem um
sich selbst bewussten Wesen - gerecht werden will, der sieht sich
veranlasst von sich aus aktiv auf die Suche nach Informationen zu
machen, die ihm zu einem bewusstseinsgemäßen Selbst- und
Weltverständnis verhelfen können. Doch besteht hier ein striktes
Qualitätsgebot, demgemäß sich das subjektive Selbst- und
Weltverständnis möglichst mit der objektiven Realität zu decken
hat, um nicht ernsthaft psychisch zu erkranken. Denn solche Gefahr
besteht immer dann, wenn die subjektive Welt mit der objektiven
Wirklichkeit nicht zur Überreinstimmung gebracht werden kann. Von
daher gibt es ja in der klinischen Psychiatrie eine unverhältnismäßig hohe
Anzahl von Patienten mit von der objektiven Realität abgetrennten
religiösen Wahnvorstellungen. Diese Vorstellungen sind eben deshalb heller Wahn, weil sie den Bezug zur objektiven Realität verloren
haben. Da könnte man auch kritisch fragen, ob und inwieweit die
Kirchen und Sekten mit ihren Lehren der objektiven Realität Rechnung
tragen, um nicht in den Verdacht der Psychopathologie zu geraten.
Dieser Vorwurf kommt ja zumeist gar nicht so unberechtigt aus der atheistischen
Ecke, die jedoch betriebsblind sich darum in gleichem Verdacht
befindet. Seit der Nacktaffe sich evolutiv auf dem Weg zum Menschen
befindet, ringt er über die Felder der Philosophie, Religion und
Naturwissenschaft um Selbst- und Welterkenntnis. Weil aber diese
Aufgabe als die universale, die darum mit den höchsten Anforderungen
an Intellekt, Geist und Seele schwierigste überhaupt ist, gibt es es
hier auch das universale menschliche Versagen auf ganzer Linie bzw. breitester
Front.
Was
unterscheidet also den Menschen vom Tier? Es ist die je persönliche
Menschwerdung in der Übernahme der Verantwortung für sich und
seinesgleichen. Nur darin kann der ansonsten nackte Affe zum Menschen
werden. Nicht umsonst bezeichnet sich Jesus von Nazareth als Sohn des
Menschen bzw. Menschensohn, womit er zum Ausdruck bringt, dass erst
der vollendete Mensch sich als "der Mensch" sehen und verstehen darf. Es ist
nicht die menschliche Gestalt mit kultureller zivilisatorischer
Errungenschaft, samt einer vollen Herrschaft über Flora und Fauna, welche den
Menschen ausmacht. Vielmehr sind es die geistseelischen
Fähigkeiten in der praktischen Umsetzung zu Selbstverzicht bzw.
Altruismus, bis hin zur Selbstopferung zugunsten seiner Mitmenschen
oder der Menschheit überhaupt. Immer sind es geistseelisch gesteuerte
intellektuelle Fähigkeiten, deren Besitz es erst ermöglicht, quasi hinter die
Kulissen der unmittelbaren einnehmenden Welt- und
Wirklichkeitserfahrung zu blicken. Alsdann erfährt man auch, dass es
sehr darauf ankommt, dass man gegenüber der Welt einen objektiven
Stand gewinnt, anstatt sich subjektiv von ihr in ihren Bann
ziehen zu lassen. Ist das nun Willens- oder Glaubenssache? Wir sind
hier der Auffassung, dass es weitaus mehr eine Willens- als eine
Glaubenssache ist, ob man die Welt frisst, oder umgekehrt von ihr
gefressen wird. Der Glaube kann ja für eine Willensbildung hilfreich
sein, wenn es denn darum geht an sich selbst zu glauben, um einen einmal
gefassten Willen, beharrlich über die Zeit zu bringen. Es ist
letztendlich der Wille und weniger der Glaube, welcher gebraucht wird, um
eine Entscheidung in der Lebensführung zu treffen und zeitlich
durchzuhalten. Denn beim Glauben wird es allezeit Zweifel geben,
bedingt durch den Charakter der alles verändernden Zeit, die nicht
nur sämtliche Wunden heilen lässt, sondern zu Erfahrungen irgendwann
auch Gegenerfahrungen und zu Argumenten irgendwann auch Gegenargumente
liefert.
Wenn
mit Glauben gemeint ist, dass nur eine Information für wahr erachtet
wird, so ist das nicht der Glaube, mit dem nach Aussagen Jesu Berge zu
versetzen sind. Ganz symptomatisch ist dabei, dass man primär erst an
sich selbst und seine Fähigkeiten glauben muss, um sekundär dann dem
Berg befehlen zu können zu weichen, was dann wiederum eine reine
Willenssache ist. In einem solchen Fall bedingen sich Wille und Glaube
wechselseitig. Wir müssen glauben was wir wollen, und umgekehrt
wollen was wir glauben. Wenn Wille und Glaube zu einer Einheit
verschmelzen, dann ergibt sich damit ein wirksames Machtmittel. Mit
seiner Aussage hatte Jesus einstmals den entscheidenden Hinweis
gegeben, dass der Geist die Materie beherrscht, wenn er denn sich
dessen bewusst ist, und daran glaubend unbeirrt festhält. In diesem
Zusammenhang sind Jesu Wundertaten zu sehen, bis hin zu den
Totenerweckungen einschließlich seiner eigenen Auferstehung aus dem
Kreuzigungstod. Dass man mit Gedanken die Wirklichkeit verändern
kann, das behaupten immer wieder medial begabte Leute, die auch schon
entsprechende Erfahrungen gemacht hatten. Genauer gesagt, überwinden
Gedanken und Verhaltensweisen oftmals die Raum-Zeit Barriere zwischen
den Personen, und verbreiten sich so in den Köpfen empfangsoffener
Menschen. Man kann sich daher nie sicher sein, ob der in einem selbst
aufgetauchte Gedanke nicht schon von jemandem anderen vorgedacht
worden war. Die so genannten Sender sind fast ausschließlich medial
begabte Leute, die deswegen im Allgemeinen über PSI und paranormale
Phänomene gut Bescheid wissen, und aufgrund eigener Erfahrungen nicht
mehr an Übersinnliches zu glauben brauchen. In den öffentlichen
Medien geben sich die meisten von ihnen als gottgläubig zu erkennen,
während der Anteil der Atheisten in der Gesellschaft ebenso fast
ausschließlich auf die Normalsinnlichen entfällt.
Die
mediale Gabe kann statt zum Segen auch zum Fluch werden, wenn der
Mediale von ihr beherrscht wird, anstatt richtigerweise sie zu
beherrschen. Wenn sie außerdem nicht positiv zum Wohle anderer
sondern umgekehrt negativ eingesetzt wird, erleidet der Mensch an
Geist und Seele furchtbaren Schaden. Goethes Faust dürfte da wohl so
eine teuflische Geschichte symbolisieren. Zwar ist man prinzipiell
frei in seiner Entscheidung, was man wollen und glauben möchte, doch
engt der Lebenslauf mit seinen personprägenden Ereignissen den Rahmen
stets entsprechend ein. Dann müssen sich schon ganz einschneidende
erschütternde Geschehnisse zutragen, um der je persönlichen
Entwicklung noch eine andere Richtung geben zu können. Für so was
ist es auch bekanntlich niemals zu spät, wie so manche auf dem
Sterbebett noch stattgefundenen Bekehrungen Hochbetagter belegen. Da
war es alsdann der Wille, und nicht etwa der Glaube, der hier den
Ausschlag gab. Denn an Gott hatte man ein Leben lang nicht geglaubt,
und kann dann deswegen auch im letzten Moment nicht anfangen zu
glauben, sehr wohl aber wollen, dass Gott eine lichte Tatsache sein
möge, welcher man sich doch viel lieber als einem finsteren Nichts
ausliefern will. Abschließend könnte man ergo feststellen, dass bei
dem Verhältnis zwischen Wille und Glaube ein fester Wille den
Verwirklichungsglauben an das Gewollte beinhaltet, sowie umgekehrt ein
fester Glaube den Verwirklichungswillen an das Geglaubte. Weder Glaube
noch Wille kommen im Endeffekt zu ihrer Wirksamkeit ohne ihre
Ergänzung aus, weshalb sie sich so wechselseitig bedingen. Generell
gilt daher: Gelebter Glaube wird auch ohne bewussten Willen am Ende zu
einer überzeugenden Willenserklärung. Und wiederum umgekehrt wird der gelebte
Wille auch ohne den bewussten Glauben am Ende zu einer ebenso
überzeugenden Glaubenserklärung.
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